Reise „Donauschlösser“ in Oberösterreich 2007
Vom 11. bis 13. Mai 2007 fand die Reise in Oberösterreich um Altenhof (Mühlviertel) statt.
Wie bedanken uns für die Organisatoren und allen Teilnehmern der Reise wiederum für ein unvergessliches Wochenende.
Reisebericht von Rainer van Husen |
Bei der diesjährigen Reise des Jugendburgenvereins nach Österreich konnten die Organisatoren die Anforderungen an die Teilnehmer im Hinblick auf Orientierung im Gelände und Durchforsten der schon durch die Vorjahre hinlänglich bekannten österreichischen Wälder (dieses Jahr oberösterreichische und nicht steirische) nochmals steigern. Das Ziel der Anreise lag diesmal im wunderschönen, im nördlichen Oberösterreich gelegenen, zum Mühlviertel zählenden Altenhof, welches sich nicht nur durch Einbettung in eine liebliche Landschaft auszeichnet, sondern darüber hinaus auch noch einen für die heutige Zeit selten gewordenen Einklang von Natur und Kultur bietet. Der nahe Passau gelegene Ort Altenhof schien diesmal zugleich eine besondere Einladung für die bayrischen Freunde und Stammgäste zu beinhalten. Wir wurden von Alice Salburg-Falkenstein am Freitag Abend mit großer Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit empfangen, wobei angesichts des bevorstehenden Muttertages auch die Parkplätze für die Gärtnerei benötigt wurden und daher die meisten Teilnehmer zum Privileg eines schlossherrlichen Abstellplatzes für das Wochenende kamen. Nur ein kleiner schon früh angereister Teil unserer Gruppe konnte bei durchaus Kreislauf anregenden Außentemperaturen auch noch den Cocktail bei Tageslicht im Freien genießen, bevor der erste Abend bei einem von Tini Gruber organisierten, ausgezeichneten und äußerst gelungenem Buffet in den alten Gemäuern bei Kerzenlicht und Wein einen schlossherrlich romantischen ersten Höhepunkt fand. Der stete Zustrom später ankommender Gäste schließlich führte zu so manchem Hallo des Wiedersehens. Insofern war es nur der schon allseits bekannten disziplinären Strenge „unseres Präsidenten“ Cari Vetter von der Lilie zu verdanken, dass am nächsten Morgen die für 9.00 Uhr angepeilte Abreise auch tatsächlich stattfinden konnte. Die Besichtigung des Schlosses Rannariedl mit fachkundiger und gastfreundlicher Führung durch den Schlossherrn Ing. Engelbert Pader samt Familie leitete ein auch an architektonischen Perlen reichhaltiges Wochenende ein. Das aufwendig unter Erhaltung der historischen Substanz renovierte Gebäude nimmt den Besucher durch die geschickte Einbeziehung der Moderne gefangen, welche die alte Bausubstanz allerdings nicht erschlägt. Die Liebe zum Detail und zur Verwendung echter Materialien zeugt vom großen und außergewöhnlichen Elan der heutigen Besitzer, aber auch vom Verständnis und Interesse an einer substanzorientierten und Substanz erhaltenden Revitalisierung. Der Blick vom Turm auf das Donautal zeigt aber nicht nur eine idyllische Landschaft, sondern vor allem auch eine weitläufige Dachfläche in beeindruckendem Zustand. Der anschließende Besuch auf Schloß Marsbach gruppierte sich geschickt um offenbar unvermeidliche Regentropfen, die uns aber nicht an einem höchst interessanten Aufstieg auf einen weiteren Turm hindern konnten, der als Spitze eines alten Gemäuers hervorsticht, dessen Geschichte uns Schlossherr Georg Graf Stradiot nicht nur höchst fachkundig näher zu bringen wusste, sondern dies auch mit einer Gastfreundlichkeit zu verbinden verstand, die uns vergessen ließ, dass unser beständiges Eindringen in letztlich doch fremde Mauern, Gewölbe und Dachböden nicht immer restlose Begeisterung bei den betroffenen Burg- und Schlossherrn hervorrufen muss, obwohl wir davon durchaus auszugehen pflegen. Der Schlossherr hat hier jedenfalls bei einer großen auch geschichtlich bedingten Belastung in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg besondere Leistungen bei der Erhaltung und Renovierung erbringen müssen und fand für sein vielfältiges Engagement bei der Renovierung letztlich unser allen Kulturgutes auch in anderen Teilen Österreichs große Bewunderung. Die abschließende Einladung auf Getränke bot noch reichlich Gelegenheit zu Gedankenaustausch und Gesprächen im kleinen Kreis. Bei der anschließende Wanderung zur Ruine Haichenbach wurden wir von Georg Graf Stradiot noch geleitet, um hier schließlich einen grandiosen Ausblick auf die Schlögener Schlinge zu genießen. Der weitere Marsch zur Buschenschank am Fuße der Ruine gestaltete sich trotz Abhangs und waldigen rutschigen Bodens erstaunlich kurz, was aber für erfahrene Jugendburgenvereins-Mitreisende keine wirkliche Überraschung darzustellen vermag. Schließlich lockten Most, echter Schinken und oberösterreichisches Brot samt weiteren Köstlichkeiten. Die darauf am Nachmittag bei prachtvollem Frühlingswetter folgende Fahrt mit der durchaus auf Bewegungen von Fahrgästen und Donauwellen reagierenden Längsfähre (Wasser hat bekanntlich keine Balken.) führte durch ein landschaftlich äußerst reizvolles und liebliches Donautal. Es war daher angesichts des Mottos dieser Reise „Donauschlösser“ gerade der Anlegepunkt auch eine würdige Gelegenheit für ein Gruppenphoto direkt am Wasser. Beim Eintreffen auf Schloß Neuhaus a. d. Donau gelang es uns auch ganz in unserem Sinne den Schlossherrn Dr. Otto Freiherr Plappart-Leenherr sofort aus anstehenden Renovierungs- bzw Dachdeckerarbeiten herauszureißen, wobei wir ihn dafür mit ungeteilter Aufmerksamkeit für seinen Begrüßungsvortrag belohnten, welche angesichts der mitreißenden Darstellungsweise aber auch sehr leicht aufzubringen war. Dass in den Bericht über die Geschichte des Hauses und damit verbundene Renovierungsarbeiten auch mancherlei Anekdote samt kritischem Schäuflein über Wien einfloss, war offenbar auf das großteils aus der Reichshaupt- und Residenzstadt stammende Zielpublikum exakt abgestimmt. Der Ausblick vom Turm war besonders eindrucksvoll, erforderte aber auch durchaus ein wenig Schwindelfreiheit beim Aufstieg. Die deutlich bemerkbare Sonneneinwirkung an diesem Frühlingsnachmittag konnte bei der abschließenden Einladung zu Getränken abgemildert werden und ihre Energie floss in noch lang dauernde Einzel- und Gruppengespräche mit dem Hausherrn. Das reichhaltige Programm des Samstages wurde sodann mit dem am Abend um zahlreiche Gäste erweiterten Fest auf Schloss Altenhof gekrönt. Beim Sekt-Empfang vor dem Schloss war vor der Kulisse des zunächst noch im Tageslicht im matten Schimmer ruhenden Mühlviertels Gelegenheit, die Tagesereignisse wirken und ausklingen zu lassen. Das grandiose Schauspiel eines Sonnenuntergangs in freier Natur führte schließlich über zum beginnenden Burgfest. Dieses begann bei einem wieder von Tini Gruber in liebevoller Detailarbeit organisierten wunderbaren und ausgezeichneten Essen, an dessen Beginn „Das Tischgebet“, gesprochen von Alice Salburg Falkenstein, stand. Die späteren Stunden boten wie jedes Jahr Gelegenheit zu stundenlangen Gesprächen oder für manche noch energiegeladene Gäste zu Tanz bis in die frühen Morgenstunden. Am Sonntag Morgen stand schließlich noch eine Besichtigung der großräumigen Anlage des Schlosses Altenhof auf dem Programm, welches Alice Salburg-Falkenstein nicht nur an Hand der geschichtlichen Entwicklung, sondern auch an Hand der erfolgten oder noch ausstehenden baulichen Maßnahmen illustrativ schilderte und uns einen Gesamteindruck zu vermitteln verstand, dies mit unermüdlicher Energie, waren doch die Teilnehmer nicht immer punktgenau zur Stelle, wo es gegolten hätte zuzuhören oder einfach nur bereits anwesend zu sein. Der Abschied von Schloss Altenhof fiel diesmal besonders schwer, waren wir doch seit langem einmal nicht wie üblich in einem modernen Gebäude untergebracht, sondern auch während der Übernachtung in eine andere Zeit eingetaucht. Der am Ende dieser Reise drohende Übergang in die Gegenwart wurde aber durch einen besonders gelungenen „Ausklang“ auf einem eindrucksvollen Wasserschloss, nämlich Schloß Aistersheim des Schlossherrn Botschafter i.R. Dr. Heinrich Birnleitner samt Familie nochmals aufgehalten. Nach einem Mittagessen in den historischen Räumlichkeiten des Schlosses Aistersheim übernahmen Dr. Heinrich Birnleitner und seine Söhne mit bewundernswerter Geduld und mit dem Angebot fachkundiger historischer Ausführungen eine Besichtigungstour durch das Schloss samt Bibliotheksräumen und Schlosskapelle. Das in der heutigen Zeit erforderliche Geschick bei Verwaltung und Fortentwicklung der wirtschaftlichen Basis eines Schlosses wurde in eingehenden Gesprächen diskutiert. Besonderen Eindruck hinterließ bei so manchen das Speisezimmer, in welchem als Blickfang auch ein umfassendes Konversationslexikon steht. Für unsere heutige hektische und zerrissene Zeit schien die dazu gehörende Hintergrundinformation insofern besonders interessant, als man es sich in früheren Zeiten vornahm, bei oder nach Tisch pro Abend ein bestimmtes Thema bzw historisches Ereignis durchzudiskutieren und den Diskutanten die Möglichkeit zu geben, spezifisches Faktenwissen sofort einholen zu können. Am Ende einer heuer an Besichtigungsterminen besonders reichhaltigen Reise in eine Gegend Österreichs, die heute oftmals eher Eingeweihten näher bekannt ist, stehen als maßgebliche Erfolgsfaktoren das hilfreiche prachtvolle Wetter fest, vor allem aber jene vorher geleistete, unglaubliche Organisationsarbeit von Cari Vetter von der Lilie und Tini Gruber, welche die Grundlage des sich jährlich einstellenden Erfolges darstellt und die letztlich nur mit großem Idealismus erklärt werden kann. Wenn daher die Fragen nach dem Ziel der nächstjährigen Reise nicht aufhören wollten, so ist dies neben einem nicht oft genug wiederholbarem „Danke“ vielleicht der schönste Lohn für unser Organisationsteam. Rainer van Husen |
